Teilverkauf von Immobilien bietet kurzfristige Liquidität im Alter – doch birgt das Modell auch hohe Kosten und langfristige Risiken. Dieser Beitrag zeigt Dir, worauf Du achten musst – inklusive Anbieter-Vergleich, Fallbeispielen und steuerlichen Tipps.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Teilverkauf von Immobilien?
- Vorteile des Teilverkaufs
- Risiken & Nachteile
- Anbieter im Vergleich
- Für wen eignet sich der Teilverkauf?
- Alternativen zum Teilverkauf
- Steuerliche Aspekte
- Fallbeispiele aus der Praxis
- Fazit & Handlungsempfehlung
Was ist Teilverkauf von Immobilien?
Der Begriff Teilverkauf beschreibt eine spezielle Form der Immobilienverwertung, bei der ein Eigentümer einen Anteil seiner Immobilie – in der Regel bis zu 50 % – an einen externen Investor verkauft, ohne aus dem Haus ausziehen zu müssen. Im Gegenzug erhält der Verkäufer eine Einmalzahlung und behält ein lebenslanges Wohnrecht, das im Grundbuch gesichert wird.
- Wertfeststellung: Die Immobilie wird bewertet, meist durch einen Gutachter – teils durch den Anbieter selbst.
- Kapitalauszahlung: Je nach Verkaufsanteil erfolgt eine Auszahlung (z. B. 200.000 € bei 40 % von 500.000 €).
- Grundbucheintrag: Der Investor wird als Miteigentümer eingetragen, meist mit Nießbrauchrecht für den Verkäufer.
- Nutzungsentgelt: Für den verkauften Anteil zahlt der Verkäufer monatlich ein Entgelt – meist 3–5 % p. a. auf den erhaltenen Betrag.
- Rückkauf oder Gesamtverkauf: Beim späteren Gesamtverkauf erhält der Anbieter seinen Anteil zurück – inklusive möglichem Wertzuwachs. Alternativ kann der Anteil zurückgekauft werden.
Teilverkauf gilt damit als Mittelweg zwischen Komplettverkauf und Kredit – ohne Umzug und ohne klassische Schuldenaufnahme. Doch genau hier beginnt die finanzielle und rechtliche Komplexität.
Vorteile des Teilverkaufs
Auf den ersten Blick bietet der Teilverkauf zahlreiche Vorteile – besonders für ältere Immobilieneigentümer mit geringem Einkommen, aber hohem Vermögen im Haus. Hier die wichtigsten Argumente, mit denen Anbieter werben:
- Liquidität ohne Kredit: Die Immobilie bringt sofort Kapital – ohne Bankgespräch, ohne Bonitätsprüfung, ohne Tilgung.
- Weiter wohnen wie bisher: Durch das grundbuchlich gesicherte Nießbrauch- oder Wohnrecht bleibt der Lebensmittelpunkt erhalten.
- Teilnahme an Wertsteigerung: Wer z. B. 40 % verkauft, profitiert beim späteren Gesamtverkauf anteilig vom gestiegenen Immobilienwert.
- Keine Schuldenaufnahme: Da es sich nicht um ein Darlehen handelt, entstehen keine Rückzahlungsverpflichtungen – das Nutzungsentgelt ist planbar.
- Vererbbarkeit bleibt erhalten: Der verbleibende Eigentumsanteil kann an Kinder oder andere Erben übertragen werden.
- Schnelle Verfügbarkeit: Viele Anbieter werben mit Auszahlungsfristen von 4 bis 8 Wochen nach Vertragsabschluss.
Gerade für Menschen im Ruhestand mit Pflegekosten, Umbauwünschen oder familiärer Unterstützungspflicht kann der Teilverkauf eine kurzfristige Lösung darstellen.
Risiken & Nachteile
Trotz positiver Werbebotschaften ist der Teilverkauf kein risikofreies Modell. Verbraucherschützer, Juristen und Analysten warnen vor mehreren Fallstricken:
- Hohes Nutzungsentgelt: 3–5 % der Auszahlung pro Jahr – bei 200.000 € sind das bis zu 833 € monatlich.
- Keine Entlastung bei Instandhaltung: Reparaturen, Modernisierungen und Betriebskosten trägt meist weiterhin der Verkäufer.
- Intransparente Verträge: Rückkaufbedingungen oder Bewertungsverfahren oft schwer verständlich.
- Teurer Rückkauf: Häufig muss mehr gezahlt werden, als ursprünglich erhalten wurde.
- Abhängigkeit vom Anbieter: Insolvenzrisiko oder Verkauf des Anbieteranteils können Folgen haben.
- Probleme bei Erbschaft: Erben müssen mit Rückkauf, Verkauf oder Vertragsübernahme umgehen.
- Auswirkungen auf Pflegeleistungen: Auszahlung kann Anrechnung auf Pflegezuschüsse bewirken.
„Teilverkauf bedeutet oft: kurzfristiger Geldsegen, langfristiger Werteverlust.“ – Bernd Leutner, Immobilienanalyst
Anbieter im Vergleich
Der Markt für Teilverkauf wächst stark. Bekannte Anbieter unterscheiden sich in Entgelt, Rückkaufregelung und Bewertung:
- Wertfaktor GmbH: Bis 50 %, ab 3,5 % p. a. Nutzungsentgelt, Rückkauf möglich, Bewertung intern & extern
- Deutsche Teilkauf GmbH: Bis 50 %, ab 3,9 %, Bewertung extern, Rückkauf zum Zeitwert
- Engel & Völkers LiquidHome: Ab 4,0 %, Rückkauf mit bis zu 6 % Gebühr
- Hausanker GmbH: Zwischen 3,6–4,6 %, Bewertung intern
Tipp: Drei Angebote vergleichen, Gutachter prüfen und Rückkaufbedingungen schriftlich fixieren.
Für wen eignet sich der Teilverkauf?
Der Teilverkauf ist für bestimmte Zielgruppen sinnvoll:
- Senior:innen mit schuldenfreier Immobilie und geringem Einkommen
- Alleinstehende ohne Erben
- Eigentümer:innen mit überschaubarem Zeithorizont (5–10 Jahre)
Weniger geeignet: Familien mit Erbabsicht, emotional gebundene Eigentümer und Jüngere mit langfristiger Perspektive.
Alternativen zum Teilverkauf
- Leibrente: Monatliche Rente + lebenslanges Wohnrecht, aber kein Eigentum mehr.
- Umkehrhypothek: Kredit mit späterer Rückzahlung, Eigentum bleibt erhalten.
- Verkauf mit Nießbrauch: Volle Auszahlung, aber eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten.
- Teilvermietung: Einkommen ohne Eigentumsverlust.
Diese Alternativen sind oft günstiger und flexibler – besonders, wenn keine hohe Einmalzahlung nötig ist.
Steuerliche Aspekte
Teilverkauf kann steuerlich Folgen haben:
- Spekulationssteuer: Bei Verkauf innerhalb von 10 Jahren nach Erwerb (außer bei Eigennutzung).
- Erbschaftsteuer: Der veräußerte Anteil zählt nicht mehr zum Erbe, was Freibeträge beeinflusst.
- Nutzungsentgelt: Nicht steuerlich absetzbar, da keine Miete.
Fallbeispiele aus der Praxis
- Frau M. (74): Verkauf von 40 %, Auszahlung für Umbau, Erben planen Rückkauf – positives Beispiel.
- Herr K. (68): Rückkauf nicht finanzierbar, Immobilie musste verkauft werden.
- Ehepaar S.: Keine Abstimmung mit Kindern – Konflikte nach Vertragsabschluss.
Fazit & Handlungsempfehlung
Teilverkauf von Immobilien ist kein standardisiertes Finanzprodukt – sondern eine strategische Entscheidung. Richtig umgesetzt kann er finanzielle Spielräume schaffen, falsch verstanden jedoch zu langfristigen Verlusten führen.
- Vergleiche mehrere Anbieter und prüfe Konditionen
- Lass Dich rechtlich und steuerlich beraten
- Erstelle eine Langfristrechnung (10–15 Jahre)
- Beziehe Familie oder Erben ein
Fazit: Teilverkauf ist eine Option – aber kein Allheilmittel. Transparente Beratung und Planung sind der Schlüssel.
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